Alle Artikel mit dem Schlagwort: Österreich 1945 bis heute

Freizeit von 1945 bis 1969

Kinoboom und Kinosterben Nach dem Krieg hatte das Kino seine beste Zeit. Heimatschnulzen, die Sissi-Trilogie und Kriegsfime füllten die Kassen. Die Verbreitung des Fernsehens führte zu immer mehr Kinoschliessungen. Das Forum Kino in Wien mit einem Saal über 1.000 Sitzplätzen wurde 1950 in Betrieb genommen und mutierte nach nur 24 Jahren Spielbetrieb zum Rechenzentrum der Gemeinde Wien. Vom Radiohören zum Farbfernsehen Ein Radiogerät war für viele Haushalte in der unmittelbaren Nachkriegszeit das höchste der Gefühle. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher wurden nur von den gebildeten und besser verdienenden Schichten gelesen. Die Bücher waren kostbar und die Schulbücher wurden weitergegeben. In den meisten bäuerlichen Haushalten gab es höchstens einen Bauernkalender und einen medizinischen Ratgeber. Das Fernsehen nahm ab 1955 eine rasante Entwicklung und Verbreitung. Zuerst fand Fernsehen nur in Gasthäusern statt, vor allem bei Sportübertragungen waren die Lokale voll. Mit der zunehmenden Verbreitung erlahmte das öffentliche Leben, die Leute blieben immer mehr zu Hause und viele Kinos und Gasthäuser mussten zusperren. Mit der ORF-Reform 1967 unter Gerd Bacher wurden Fernsehen und Radio auf eine völlig neue  Basis …

Alltag von 1945 bis 1969

 Der Krieg war zu Ende. Viele Soldaten sind gefallen, kehrten verwundet und traumatisiert zurück oder waren noch in Kriegsgefangenschaft, viele Frauen wurden so zu Alleinerzieherinnen. Europa lag in Trümmern und war in Ost und West geteilt. Diese Grenze ging mitten durch Österreich, der Osten war russisch besetzt, der Westen und Süden von Amerikanern, Franzosen und Engländern. Über 10 Millionen Deutsche wurden vertrieben und fanden in Deutschland und Österreich ihre neue Heimat. Sie lebten dort lange unter teils unmenschlichen Bedingungen in Lagern. Die Leute hungerten und froren und freuten sich, dass sie wenigstens ein Dach über dem Kopf hatten. Unter diesen katastrophalen Voraussetzungen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft begann der Wiederaufbau.  10 Jahre später waren  die meisten Schwierigkeiten überwunden und Österreich nach 7 Jahren Nazi-Diktatur und 10 Jahren Besatzung durch die Alliierten endlich wieder frei. Danach begann der wirtschaftliche Aufschwung und brachte für viele einen bescheidenen Wohlstand. Haushaltsgeräte erleichterten zunehmend das tägliche Leben, Motorroller und Motorräder verbesserten die Mobilität und wer es sich leisten konnte, kaufte sich einen Kleinwagen und fuhr damit in …

Vom Ende des 2. Weltkriegs bis Corona

Als Kind der Nachkriegszeit kann ich auf die rasante Entwicklung vom Ende des 2. Weltkriegs bis heute zurückblicken. Meine Biographie ist eingebettet in die zeitlichen Rahmenbedingungen  und vermittelt meine persönliche Sicht auf die Entwicklung in Österreich vom Kriegsende bis heute. Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder – 1945 bis 1969 Der Krieg war zu Ende. Viele Soldaten sind gefallen, kehrten verwundet und traumatisiert zurück oder waren noch in Kriegsgefangenschaft, viele Frauen wurden so zu Alleinerzieherinnen. Europa lag in Trümmern und war in Ost und West geteilt. Diese Grenze ging mitten durch Österreich, der Osten war russisch besetzt, der Westen und Süden von Amerikanern, Franzosen und Engländern. Über 10 Millionen Deutsche wurden vertrieben und fanden in Deutschland und Österreich ihre neue Heimat. Die Leute hungerten und froren, viele hatten nicht einmal mehr ein Dach über ihrem Kopf. Unter diesen katastrophalen Voraussetzungen und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft begann der Wiederaufbau.  10 Jahre später waren  die meisten Schwierigkeiten überwunden und Österreich nach 7 Jahren Nazi-Diktatur und 10 Jahren Besatzung durch die Alliierten endlich wieder frei. Danach begann der wirtschaftliche …

Alltag heute

Smartphone –  Internet und Fotoapparat in der Hosentasche Internet und Smartphones stellten ab Anfang der 10er Jahre des 3. Jahrtausends die Medienwelt auf den Kopf.  Nachrichten werden seither hauptsächlich online konsumiert, die klassischen Medien kam dadurch immer mehr in Bedrängnis und haben mit werbefinazierten Gratiszeitungen geantwortet.  Suchmaschinen revolutionierten die Informationsbeschaffung, man stellt einfach eine Frage und schon bekommt man relevante Ergebnisse. Online-Lexika wie wikipedia machen die klassischen Lexika überflüssig und die Video-Plattform youtube ist ein unerschöpfliche Quelle für Ratgeber, Musik und Videos. Zustelldienste und Essen im Freien Klassische Wirtshäuser sind fast zur Gäne verschwunden und wurden von Restaurants in Supermärkten und Möbelhäusern abgelöst. Zu Hause wird immer weniger gekocht, dafür boomen seit dem Aufkommen von Smartphones  die Zustelldienste. Essen und Trinken unterwegs gehört leider mittlerweile zum Alltag. „coffee to go“ ist in und Kebap-Stände verdrängen zunehmend die klassischen Würstelstände. Im Sommer isst man gerne im Freien, Grillen ist angesagt. Märkte wie der Wiener Naschmarkt werden zunehmend zu Essmeilen. Die Angebote in den Abendrestaurants werden immer besser und leider auch teurer.  Wer es sich leisten kann, …

Alltag bis zur Jahrtausendwende

Städte und Dörfer wachsen Der wachsende Wohlstand führte zu zu einer regen Bautätigkeit und zu einer raschen Zunahme des Autoverkehrs. Die Städte wuchsen durch die Wohnungsneubauten an den Stadtrand und ins Umland. In Wien entstanden Trabantensiedlungen wie Alterlaa und die Großfeldsiedlung.  Im „Speckgürtel“ rund um Wien wuchsen die bestehenden Orte, es entstanden  neue Siedlungen wie die Südstadt in Maria Enzersdorf und große Einkaufszentren wie die SCS in Vösendorf.  Das Wachstum verlangte neue Verkehrskonzepte. In Wien wurde mit dem Bau der U-Bahn und der Südosttangente  begonnen.  Der Großhandelsnaschmarkt übersiedelte vom Wiental nach Inzersdorf und mit der Therme Oberlaa wurde Wien zur Kurstadt. UNO-Organisationen übersiedelten in die neu gebaute UNO-City in der Donaustadt.Durch die Donauregulierung wurde der Hochwasserschutz verbessert und mit der Donauinsel ein Freizeit-Paradies geschaffen. Die Wohnqualität steigt Die Wohnsituation hat sich bis zur Jahrtausendwende entscheidend verbessert. In den Städten wurden Altbauwohnungen saniert und moderne Wohnungen mit Bad, WC und Balkon gebaut, geheizt wurden mit Zentralheizung oder Fernwärme. Am Land wurden die Häuser an eine Wasserleitung angeschlossen, die Wohnsubstanz  erneuert und der Bau von Einfamilienhäusern forciert. …

Mein Leben in der Nachkriegszeit

Nachkriegszeit im Dorf Der Zweite Weltkrieg ist ein Jahr vor meiner Geburt zu Ende gegangen. Mein Vater erlebte den ganzen Krieg als Soldat, desertierte kurz vor Kriegsende und entging so der Kriegsgefangenschaft. Dafür musste er sich bis Kriegsende zu Hause vor den Nazis verstecken, sonst wäre er wie viele andere als Deserteur hingerichtet worden.  Mein Onkel mütterlicherseits ist im Krieg in Russland gefallen, war aber in Gesprächen, auf Gedenktafeln und Fotos noch immer präsent.  Meine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Daher gab es keinen Hunger, gewisse Lebensmittel waren aber nur mit Bezugsscheinen (Marken) erhältlich.  Am Waldrand stand ein ausgebrannter Panzer und hie und da fuhren russische Truppentransporter zum Truppenübungsplatz Döllersheim. Ansonsten war von der Besatzungsmacht nicht zu spüren, aber in Erzählungen und auf Gedenksteinen waren die Übergriffe unmittelbar nach Kriegsende noch immer präsent. In der Schule und im täglichen Leben waren die Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg kein Thema. Man schaute in die Zukunft und hoffte auf ein besseres Leben.  Kindheit im Dorf In meinem Heimatort Weizierl lebte ich mit Großeltern, Eltern und einer Schwester …

Weinzierl am Walde anno dazumal

Weinzierl am Walde wurde im Mittelalter als Weinarbeiterdorf für die Weingüter in der nahen Wachau besiedelt. Die Einwohner hatten einen Bauernhof als Lehen und mussten dafür in den Weingärten arbeiten und Naturalien im Schloss Dürnstein abliefern. Mit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahr 1848 gingen die Höfe in das Eigentum der Bauern über. Bäuerliches Leben Das bäuerliche Leben hat sich über die Jahrhunderte nichts geändert. Ausser Pflug, Egge, Sense und Dreschflegel gab es keine landwirtschaftlichen Geräte. Nutztiere waren Rinder, Schweine und Hühner. Traktoren und Autos gab es keine, Zugtiere waren Ochsen, Pferde und auch Kühe. Am Hof lebten im Schnitt 10 Bewohner – neben den Besitzern und deren Kindern noch oft die Altbauern, unverheiratete Geschwister und Dienstboten. Die Bauernhöfe waren Selbstversorger, Schweine wurden am Hof geschlachtet und das Fleisch geräuchert. Brot wurde mit dem geernteten Getreide selbst gebacken. Obst und Gemüse kamen aus dem eigenen Garten und das Heizmaterial für den Küchenherd (ein Kachelofen war Luxus) aus dem eigenen Wald. Abfälle wurden an das Vieh verfüttert oder kompostiert, durch die Kreislaufwirtschaft war Müll ein Fremdwort. …